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Predigt von Pfarrer Daigeler zum Fest der Erscheinung des Herrn

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Liebe Schwestern und Brüder im Herrn, liebe Sternsinger, Weihnachten ist für uns Deutsche ein eher beschauliches Fest. Man bleibt in der Familie, bei vertrauten Menschen, man bleibt sozusagen „unter sich“. Vielleicht hängt es damit zusammen, wie wir uns das Geschehen von Betlehem vorstellen. Maria und Josef suchen nach einer Herberge. Und in einem Stall, also in dem Anbau der Behausung, in dem die Tiere untergebracht waren, finden sie Unterschlupf. Dort kommt das göttliche Kind auf die Welt. Und obgleich die Engel vom Himmel sein Lob verkünden, bemerken es nur die Hirten auf den Feldern.

Man bleibt sozusagen „unter sich“. Und das leuchtet uns auch ein, denn wer will schon fremde Menschen bei einer Entbindung dabeihaben? Nun ist die Geburt des Jesuskindes zwar ein familiäres Ereignis, er kam ja tatsächlich auf die Welt wie jeder Mensch, „geboren von einer Frau“, wie es Paulus unterstreicht. Aber es ist doch ein weltbewegendes Ereignis. Darum gehört zur Weihnachtszeit das Fest der Epiphanie, der „Erscheinung des Herrn“, das wir heute feiern.

Wenn es nicht die Sternsinger gäbe, dann ginge das leicht unter neben Weihnachten, obwohl es nicht weniger wichtig ist. Es gibt ja auch in Glaubensdingen die Versuchung, dass man gerne „unter sich“ bleiben möchte. Jeder hat seinen Platz in der Kirche, was nichts Schlechtes ist. Man kennt einander und weiß um die Gepflogenheiten. Das Evangelium erzählt uns aber von Fremden, die zum Christuskind kommen. Der Weg ist ihnen zunächst nicht geläufig, sie kennen die Bräuche des Landes nicht, daher fragen sie zunächst bei der Regierung um Rat.

Doch was hatte sie auf die Idee gebracht, überhaupt in dieses Land zu ziehen. Der Evangelist Matthäus drückt es in einem Bild aus: Er spricht von einem Stern, der aufgegangen war. Und auch wir verstehen dieses Bild. Es geht um etwas Anziehendes, das Aufmerksamkeit und Neugier weckt. Hier ist Licht zu finden. Und das ist anziehend, gerade weil – wie es Jesaja sagte – „Dunkel die Völker bedeckt“. Wie sehr sehnen sich Menschen in der dunklen Jahreszeit nach Licht, wie sehr sehnen sich Menschen in Traurigkeit, Einsamkeit, Krieg oder Krankheit nach einem tröstlichen Licht! Wer darum weiß, der versteht, weshalb die Weisen aus dem Morgenland bereit waren, einen so weiten und beschwerlichen Weg auf sich zu nehmen.

Dieses Licht ist für alle Menschen erschienen. Alle sind eingeladen zur Krippe! Alle sollen „Miterben Christi“, Glieder „desselben Leibes“ werden, schreibt der Apostel im Epheserbrief. Darum kann die Kirche nie „unter sich“ bleiben. Wir haben einen missionarischen Auftrag. Und sagen wir es offen: Das ist anstrengend. Es ist weitaus bequemer, „unter sich“ zu bleiben und alles so zu machen, wie man es eben immer schon gemacht hat. Aber die Menschwerdung Christi fordert uns heraus aus der Komfortzone. Das sagt uns das heutige Fest der Epiphanie. Wir wollen Menschen für Christus gewinnen. Wir wollen Menschen in unsere kirchliche Gemeinschaft einladen.

Die Dreikönigsbotschaft ist aber nicht nur herausfordernd, sie ist auch tröstlich. Von den Weisen berichtet uns Matthäus, dass sie „von sehr großer Freude erfüllt“ wurden, als sie bei dem Kind und seiner Mutter ankamen. Und das hoffe ich, dass man auch über uns sagen kann. Wir kennen den Heiland. Was für eine Freude! Und wir wissen, wo er zu finden ist, hier in seiner Kirche. Was für ein Geschenk! Wo man etwas davon spürt, was für eine Freude und Zuversicht uns dieser Glaube schenkt, dort werden wir nicht „unter uns“ bleiben, dort werden wir anziehend für viele sein. An uns ist es dann, das Licht zu teilen, damit die Welt heller wird. Amen.

06.01.2026, Pfarrer Dr. Eugen Daigeler

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