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Predigt von Pfarrer Daigeler zum 2. Fastensonntag C

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Liebe Schwestern und Brüder im Herrn, wer kennt das nicht, die Sehnsucht nach Ruhe und Frieden…? Frei sein von Sorgen. Der Aufstieg auf einen Berg, von dem auch das heutige Evangelium erzählt, ist ein sprechendes Bild. Irgendwie kann man sich auf dem Gipfel über die Alltagssorgen erheben. Man hat den größeren Überblick, die weite Sicht, das Aufatmen ohne den Staub und den Lärm der Welt…

Die Verklärung Christi, von der uns der heilige Lukas berichtet, muss zunächst ein solcher Moment für die Jünger Jesu gewesen sein. Kein Wunder, dass Petrus ihn festhalten will. „Lass uns drei Hütten bauen“, schlägt er vor. Das Geschenk des Augenblicks will er festhalten. Das Licht, die Stärkung, der Blick in den Himmel – kann das nicht bewahrt und erhalten bleiben? Wie verständlich ist das Anliegen, das Petrus ausspricht und das vermutlich auch die anderen Jünger im Herzen spüren.

Jesus gibt keine unmittelbare Antwort. Er sagt weder Ja noch Nein. Doch die Stimme aus der Wolke unterbricht die menschlichen Gedanken. Jesus ist der „auserwählte Sohn“ Gottes, heißt es. Und der weiß, was dieses Wort bedeutet. Es ist Zusage und Auftrag zugleich. Zusage, dass der Vater immer bei ihm ist. Auftrag, dass er seinen Weg weitergehen muss – nach Jerusalem, bis ans Kreuz. So steigen die Jünger mit Jesus herunter vom Berg. „Und sie schwiegen.“

Doch es bleibt die Frage: Was können wir tun? Wir, die wir uns doch auch als Jünger Jesu verstehen. Ich meine, ein Erstes wäre die Reduzierung des „Lärms“. Gerade die Fastenzeit, in der wir stehen, geht ja nicht allein um weniger Essen, es soll auch ein Reduzieren der ständigen Impulse sein. Weniger Fernsehen, weniger Nachrichten, weniger Handy. Freilich haben wir sofort die Rechtfertigung: Aber die schrecklichen Kriegsberichte sind doch wichtig oder die Coronazahlen oder diese oder jene Nachricht, die ich mit dem Handy weiterleite. Aber ist das meine Aufgabe? Ändere ich damit irgendetwas? Ich kann und soll beten und helfen dort, wo es möglich ist. Aber es braucht die Beschränkung der Worte und Bilder.

Ein Zweites, an das uns das Evangelium erinnert, ist das Geschenk des Sonntags. Halten wir diesen Tag des Herrn heilig. Es ist eine heilsame Unterbrechung, eine Zeit des Aufatmens. Gerade in der heiligen Messe dürfen wir sozusagen mit Jesus auf den Berg Tabor steigen. Hier ist er da, da für uns – leibhaft und wahrhaft. Es tut gut, bei ihm zu sein, bei ihm aufzuatmen und aufzutanken. Es ist gut, sich zu vergewissern, wie es Paulus sagt, dass wir uns nicht in den irdischen Sorgen aufzureiben brauchen, dass wir immer aufschauen und uns aufrichten zu „unserer Heimat im Himmel“.

Schließlich ein Drittes: Das Evangelium zeigt auch den Weg ins „Tal der Alltagssorgen“. So kostbar und unverzichtbar der Sonntag ist, es gilt danach wieder in unseren Alltag zu gehen. So wichtig das Gebet ist, ebenso wichtig ist der tägliche Dienst in unserer Familie, im Haushalt, im Beruf, dort, wo ein jeder von uns hingestellt ist. Das gilt auch für unsere Kirche, die sich nicht in unnützen „Reformdebatten“ verzetteln soll, sondern ihren täglichen Dienst tun soll, nämlich das Evangelium verkünden.

Ja, der Glaube erhebt uns aus den Sorgen, er ist die Zusage, dass Gott mit uns auf dem Weg ist, wie es Abram hören darf. Doch an uns ist es, den Weg zu beschreiten in der Treue der täglichen Etappe. Nur so gelangen wir in das verheißene Land. Amen.

13.03.2022, Pfarrer Dr. Eugen Daigeler

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