Predigt von Pfarrer Daigeler zum 4. Sonntag im Jahreskreis A
Download Audiodatei der Predigt
Liebe Schwestern und Brüder im Herrn, „mit der Bergpredigt kann man keine Politik machen“. Diesen Satz soll Bismarck gesagt haben und auch Helmut Schmidt wird er zugesprochen. Und wenn wir heute die ersten Zeilen der Bergpredigt hören, wie sie uns der Evangelist Matthäus überliefert, dann würden vielleicht einige dieser politischen Einordnung zustimmen. Eine Sammlung von Predigten Jesu beginnt mit den Seligpreisungen. Ein ziemlicher steiler Aufschlag. Kann man allen Ernstes die Friedfertigen und Sanftmütigen „seligpreisen“ in einer Welt, in der es im Großen so viele Kriege und im Kleinen oftmals so viel Rücksichtslosigkeit gibt?
Bei genauem Hinhören merken wir an vielen Stellen in den Evangelien, dass Jesus bewusst herausfordert. Stets haben seine Worte etwas zu tun mit Wachsen, mit sich auf den Weg machen, mit Umkehren, mit aus neuem Blickwinkel Hinschauen… Das ist eine Provokation, aber es ist nicht naiv. Die Heilige Schrift erzählt uns nicht von einer „heilen Welt“. Morgen feiern wir das Fest der Darstellung Jesu im Tempel. Dort erzählt uns der Evangelist Lukas, der greise Simeon habe bereits über das Jesuskind gesagt: „Er wird ein Zeichen sein, dem widersprochen wird“. Von Jubel bis Verrat, von Nachfolge bis Davonlaufen wird uns alles in der Schrift berichtet. Der christliche Glaube hat einen sehr realistischen Blick auf den Menschen: Er ist gut geschaffen und doch hat er auch eine Neigung zum Bösen in sich. Beides ist wahr.
Nun will Jesus nicht einfach stehen bleiben bei den Dingen, „wie sie nun einmal sind“. Er ist kein Politiker. Dem Politiker muss es notwendigerweise um die „Kunst der Möglichen“ gehen. Jesus geht es um das „Reich Gottes“. Der Begriff ist zwar häufig zu hören im Evangelium, dennoch ist er nicht einfach zu verstehen. Matthäus spricht vom „Himmelreich“.
Was könnte gemeint sein? Ich würde sagen, es geht um die Weitung des Blicks, die uns der Glaube schenkt – vielleicht so wie es der heilige Paulus im Korintherbrief schrieb: Das „Törichte in der Welt hat Gott erwählt, um die Weisen zuschanden zu machen“. Wir sehen als Christgläubige nicht allein das Irdische, gleichzeitig übersehen wir es auch nicht. Jesus zählt in den Seligpreisungen ernstzunehmende Probleme auf. Er benennt Armut, Trauer, Unfrieden, Ungerechtigkeit und Verfolgung. Er spricht über diese, unsere Welt, wie sie ist, nicht wie wir sie uns wünschen. Das sind Tatsachen, die wir nicht übersehen und überhören dürfen.
Doch Jesus entwirft kein politisches Programm. Er ruft nicht zu Umsturz oder Revolution auf. Er sagt nichts anderes als Jahrhunderte vor ihm der Prophet Zefanja, der das Volk aufruft, ihre Zuflucht „beim Namen des Herrn“ zu suchen. Wir haben es in der Ersten Lesung gehört. Das heißt nicht: „Am Ende geht eh alles gut aus…“ Es geht um die Zuversicht des Glaubens. Sie gibt mir Sicherheit auch dort, wo ich viele Dinge gar nicht zu ändern vermag. Der Glaube bewahrt uns davor uns „verrückt zu machen“ – wie es unsere Zeit manchmal tut, weil man nur noch dieses oder jenes Problem sieht. Der Glaube führt uns gleichsam auf den „Berg der Seligpreisungen“, damit wir weiter blicken können und merken: Das hier ist nicht alles. Und ich habe einen Zufluchtsort beim Herrn, den mir keiner nehmen kann. Das meint „selig“.
Diese Weite des Herzens und des Geistes lässt uns etwas vom Gottes Reich ahnen. Und das motiviert auch zum Handeln hier und jetzt. Denn das, was in unseren Kräften und Möglichkeiten steht, sollen wir sehr wohl zum Guten verändern. Das sagt Jesus auch in den Seligpreisungen. Sie rufen auf, barmherzig zu handeln, sanftmütig zu denken und zu sprechen, Frieden zu stiften – und in Treue zum Herrn zu stehen. Vielleicht kein politisches Programm, aber ein Lebensprogramm. Amen.
01.02.2026, Pfarrer Dr. Eugen Daigeler




