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Predigt von Pfarrer Daigeler am Ostermontag

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Liebe Schwestern und Brüder im Herrn, fester Bestandteil unseres christlichen Gottesdienstes ist das Hören auf das Wort Gottes. Bevor wir Bitten oder Anliegen äußern, steht das Hören auf das, was uns der Herr zu sagen hat. Diese äußere, liturgische Ordnung gründet in einer inneren, geistlichen Ordnung. Wir haben uns den Glauben nicht ausgedacht, sondern wir haben ihn empfangen. So sagt es auch der Apostel Paulus in seinem Zeugnis für die Auferstehung: „Ich erinnere euch, Schwestern und Brüder, an das Evangelium“. So haben wir es eben aus dem Korintherbrief gehört.

Diese kirchliche Ordnung entspricht unserer Lebenserfahrung. Keiner von uns wüsste etwas vom Glauben, wenn uns nicht Menschen die Botschaft erzählt hätten. Das gilt im Großen: Wir haben die Worte und Taten von den Augen- und Ohrenzeugen empfangen; in der Kirche wurden sie treu weitergegeben bis zum heutigen Tag. Und das gilt auch im Kleinen: Wir wissen von Jesus und seiner Botschaft durch Menschen, die uns von ihrem Glauben mitgeteilt haben: unsere Eltern und Großeltern, Paten und Seelsorger.

Der heilige Paulus unterstreicht darum so stark, dass wir einer verlässlichen Botschaft glauben. Er zählt eine ganze Reihe von Zeugen auf, die den Auferstandenen gesehen und gehört haben. Das „ist der Grund, auf dem ihr steht“, ruft er uns zu. Ja, es ist etwas Kostbares, dass wir mit der Kirche glauben dürfen. Es hängt nicht allein an mir und meinem manchmal kleinen Glauben. Christliches Glauben ist im Wesentlichen Mit-Glauben. Wir vertrauen, dass die Brücke verlässlich ist und trägt, auf der uns die Botschaft Christi begegnet. Die Kirche ist diese Brücke. Sie ist nicht selbst die Botschaft. Sie ist Botin und Treuhänderin. Aber sie steht dafür, dass es eine ganze Reihe von verlässlichen Zeugen gibt und dass aus dem österlichen Glauben unzählige Menschen ihr Leben gemeistert haben und das Heil gefunden haben. Die Kirche bewahrt in ihrem „Gedächtnis“ den Glauben der Apostel, der Frauen am Grab und ungezählter, Christgläubiger Frauen und Männer. Gott hat Jesus von den Toten auferweckt, „dafür sind wir Zeugen“, ruft Petrus seinen Zuhörern zu. Wir haben es aus der Apostelgeschichte gehört.

Das Emmaus-Evangelium erzählt von derselben Erfahrung. Ihr eigenes Nachdenken und selbst ihre persönliche Erfahrung bringt die beiden Jünger an ihre Grenzen. Ja, sie fanden Jesus interessant. „Wir aber hatten gehofft, dass er der sei…“ Ihre Vorstellung von Jesus reicht nicht aus, um ihn ganz zu verstehen. Ihre Bilder von Jesus zerbrechen am Kreuz. Spätestens als er stirbt, scheint die Sache als Täuschung entlarvt. Darum brauchen sie die Erfahrung des geduldigen Zuhörens. Der Auferstandene spricht zu ihnen von der Glaubenserfahrung des Volkes Israel, von der Treue, die Gott durch Mose und Propheten bezeugt hat. Und er spricht vom Leiden und von der Auferstehung des Messias. Erst dieses gemeinsame Hinhören auf die Botschaft macht ihre Herzen „brennend“. Sie merken: Das ist ja nicht unsere eigene, private Idee. Der Glaube und das Wissen um die Auferstehung, das kann ich nur als „Mitteilung“, als Gabe, als Zusage empfangen.

Umso mehr „gehen ihnen die Augen auf“, als der Auferstandene mit ihnen das eucharistische Ostermahl hält. Ja, es ist der Herr. Ja, er bleibt bei ihnen – er bleibt bei uns. Wir brauchen die gemeinsame Feier der Heiligen Messe, damit unser Glaube nicht private Idee bleibt, sondern genährt wird durch das Wort Gottes und die sakramentale Gegenwart Christi. Dann können auch wir mit Paulus sagen: Wir haben den Glauben „nicht unüberlegt angenommen“. Wir wissen, dass der Herr auferstanden ist, dass er lebt und immer bei uns bleibt. Das ist der sichere Grund, auf dem wir stehen. Amen.

06.04.2026, Pfarrer Dr. Eugen Daigeler

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