Predigt von Pfarrer Daigeler zum 3. Fastensonntag A
Download Audiodatei der Predigt
Liebe Schwestern und Brüder im Herrn, die Erste Lesung dieses Sonntags nennt eine grundlegende Frage: „Ist der HERR in unserer Mitte oder nicht?“ Obwohl die Israeliten am eigenen Leib erfahren hatten, dass Gott handelt und befreit, geraten sie in Zweifel. Es ist ein langer Weg durch die Wüste. Die Anstrengung und Hitze tun ihr Übriges und vermutlich auch die Gespräche untereinander, wenn einer zum anderen sagt: Muss das so sein? Sollen wir nicht einen anderen Weg einschlagen? Warum dauert das so lange? …
Obgleich diese Erzählung jahrhundertealt ist, sind die Fragen doch zeitlos. Geht es manchmal nicht auch uns so? Wenn uns beispielsweise körperliche Gebrechen oder Schmerzen aufgelegt werden, wie schnell werden wir ungeduldig? Oder wenn es die zahlreichen Aufgaben im Haus, in der Familie oder im Beruf zu erledigen gilt, wie schnell ist da das tägliche Gebet oder die Herzensverbindung mit Gott vergessen? Und dann fragen wir uns selbst – oder andere fragen es über unser christliches Leben: Ist der Herr in eurer Mitte?
Das ist eine ernste und wichtige Frage für unseren Weg durch die Fastenzeit. Gleichzeitig spricht uns der heilige Paulus einen großen Trost zu. Wir haben aus dem Römerbrief gehört, dass es nicht allein an unserem Bemühen und Anstrengen liegt. „Gott aber erweist seine Liebe zu uns darin, dass Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren.“ Gott hat uns sozusagen „ungefragt“ eine Antwort gegeben auf die Frage, ob er in unserer Mitte ist. Gott hat uns seinen Sohn gesandt, nicht nur als Lehrer oder Prediger, sondern ganz und gar hat er ihn uns geschenkt. Jesus hat uns sein Leben geschenkt. Er hat es für uns am Kreuz hingegeben.
So wissen wir, obwohl der Alltag und seine Sorgen uns immer wieder ablenken oder sogar entmutigen können, der Herr ist in unserer Mitte. Durch Jesus wissen wir, Gott ist da, selbst in der dunkelsten Stunde. Er will immer bei uns sein. Mehr noch, er will, dass wir einmal für immer bei ihm sind. Das ist ja die Frucht der Hingabe Jesu. Durch sein Opfer hat Jesus für uns den Weg zu Gott frei gemacht.
Diese Zuversicht wird auch der Frau am Jakobsbrunnen geschenkt. Es ist ein wunderbares Gespräch, dass Jesus mit der Samariterin führt. Sie ist zunächst ganz mit dem Wasserschöpfen beschäftigt und mit der Sorge, möglichst keinem zu begegnen, der ihr vielleicht kritische Bemerkungen nachrufen würde. Und sie meint darum, es ginge auch Jesus um das Wasser aus diesem Brunnen. Doch Jesus geht es um mehr, er spricht von der Anbetung „im Geist und in der Wahrheit“. Er macht deutlich: Hier und heute kannst du dem lebendigen Gott begegnen.
Dafür braucht es kein „Schöpfgefäß“. Dafür braucht es Glauben und Ehrlichkeit. Die Samariterin macht es uns vor. Sie lässt sich ein auf das Wagnis des Vertrauens. So versteht sie: Gott ist in unserer Mitte. Er will in der Mitte meines Lebens sein. Und darum wagt sie einen weiteren Schritt, denn sie bekennt Jesus, dass einiges in ihrem Leben nicht in Ordnung ist. So erfährt sie die Gnade der Vergebung. Die Stunde der Wahrheit ist die Stunde der Barmherzigkeit.
Ja, Gott kommt uns entgegen. Er ist längst da, noch bevor wir ihn suchen. Doch nur mit den Augen des Vertrauens geht uns das auf. Nur mit der Bereitschaft, alles Trennende, Sündhafte und Hinderliche in unserem Leben auszuräumen, finden wir die wirkliche Freude, was es heißt, dass der Herr da ist und immer bei mir sein will. Amen.
08.03.2026, Pfarrer Dr. Eugen Daigeler




