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Predigt von Pfarrer Daigeler in der Osternacht

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Liebe Schwestern und Brüder im Herrn, wir haben unsere festen Gewohnheiten. Das gilt auch für unser geistliches Leben. Das ist nicht schlimm. Wir würden es gar nicht aushalten, wenn an jedem Tag eine vollkommen andere Ordnung herrschen würde. Gute Gewohnheiten bewahren uns also vor Überforderung. Dennoch brauchen Gewohnheiten, damit wir nicht erstarren, auch Durchbrechung oder Unterbrechung. Im gewöhnlichen Sinn kennen wir zum Beispiel den Unterschied zwischen Werktag und Sonntag. Das Fest unterbricht den Alltag und gibt ihm die „Würze“, schenkt uns neue Freude und Motivation.

Das erste und älteste Fest der Christenheit ist Ostern. Mit der Auferstehung Christi von den Toten hat etwas so unerhört Neues begonnen, dass es überhaupt kein Christsein geben kann ohne die Feier der Auferstehung, ohne das Bekenntnis, dass Jesus lebt, ohne die Erfahrung, dass er in der heiligen Eucharistie tatsächlich und leibhaft bei uns bleibt.

Um dieses „Neue“ zu feiern, lädt uns die Kirche zu einer ungewöhnlichen Zeit zum Gottesdienst. Mit einer „Vigil“ feiert die Kirche die Auferstehung des Herrn. „Vigil“ bedeutet zunächst schlicht „Wache“. In einer Zeit ohne künstliches Licht wurde der Dienst vergeben, dass einer oder mehrere Personen Nachtwache hielten. Man zündete ein Feuer an – wie auch wir es am Beginn der Feier getan haben – und an diesem Feuer entzündete man vielleicht noch ein oder zwei Laternen. Und nun galt es durchzuhalten, bis der Morgen anbricht. Jeder, der schon einmal an einem Krankenbett gewacht hat, weiß, wie lange so eine Nacht dauern kann, wie man mit der Müdigkeit kämpft und wie froh man ist, wenn die ersten Lichtstrahlen kommen und die Vögel zu zwitschern beginnen…

Warum halten wir noch immer an diesem alten Brauch fest? Mir fallen auf Anhieb drei Gründe ein. Der erste ist unser „Dienst“. In jeder Nacht gibt es noch heute Menschen, die Bereitschaftsdienst haben in helfenden Berufen. Für uns als Glaubende ist es ein wichtiger Dienst, nach Möglichkeit Tag und Nacht zu singen das Lob des Herrn. Wir verkünden seine großen Taten: die Erschaffung der Welt, die Rettung seines Volkes Israel, die Ermutigung durch die Propheten, die Erweckung seines Sohnes Jesus aus dem Tod. Wir können unmöglich schweigen. Inmitten einer Welt, die mehr oder weniger interessiert ist an Gott, hören wir, Christen, nicht auf, seine großen Taten zu verkünden, zu künden, dass nämlich nicht die Nacht das letzte Wort hat, sondern Gottes Botschaft: „Es werde Licht!“

Ein zweiter Grund ist die Haltung der Wachsamkeit. Jeder von uns ist der Trägheit ausgesetzt. Die Schwerkraft zieht an uns. Darum braucht es die Überwindung, heute Abend noch einmal aus dem Haus zu gehen und auch die Zahl von Lesungen und Gebeten anzuhören. Der Weg des Glaubens ist kein Sprint. Er braucht beständiges Wachstum und Wachsamkeit, denn Gott zeigt sich nicht im Lauten und Großen. Die Frauen am Grab müssen mehrfach hinschauen und hinhören, damit sie den Auferstandenen erkennen. Ja, die Osterbotschaft ist groß und schön – und doch ist sie herausfordernd. Der Tod soll keine Macht mehr haben? Wir dürfen Jesu Wort mehr vertrauen als den Botschaften dieser Welt? Dieses Vertrauen kann nur langsam wachsen, damit es tiefe Wurzeln schlägt.

Schließlich ein dritter Grund: die Freude! Bei aller Überwindung dürfen wir nicht vergessen, dass wir manchmal auch gerne wach bleiben: Wenn es zum Beispiel etwas zu feiern gibt, wenn wir etwas Spannendes erwarten… Und in dieser Nacht haben wir wahrhaft Grund zu feiern: Der Herr ist auferstanden! Das Grab ist leer. Nicht die Nacht, nicht Tod hatten das letzte Wort, sondern Jesus, der uns zuruft: „Ich will, dass ihr das Leben habt!“ Das ist Grund wach zu bleiben und zu feiern. Amen.

04.04.2026, Pfarrer Dr. Eugen Daigeler

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