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Predigt von Pfarrer Daigeler zum Ostersonntag

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Liebe Schwestern und Brüder im Herrn, es gibt eine Reihe von schönen Gebeten. Bestimmt kennen Sie Texte oder Lieder, die Ihnen wertvoll sind, die Sie gerne sprechen oder singen, weil diese Worte etwas in Ihrer Seele zum Klingen bringen. Die Liturgie, der amtliche Gottesdienst der Kirche, legt uns bestimmte Gebete und Lesungen für jeden Tag und jedes Fest des Jahres vor. Sie wurden von Generationen schon durchbetet und wir dürfen einstimmen. Freilich kann es vorkommen, dass diese Texte für uns schwer verständlich sind, denn sie sprechen die Sprache einer anderen Zeit oder stammen aus den Bildern des Orients…

Besonders gerne betet die Kirche die Psalmen. Diese Worte des Alten Testamentes prägen das Stundengebet und auch die Messfeier der Kirche. Für den Einzug der Heiligen Messe ist jeweils ein Eingangsvers vorgesehen. Weil wir so gerne Lieder singen, hören wir selten diese Psalmverse. Heute am Ostersonntag möchte ich diesen Vers aber zitieren, weil er ein so schönes Beispiel ist, wie die Botschaft von der Auferstehung und die Botschaft für unser Leben verknüpft werden.

Der Vers lautet: „Ich bin erstanden und bin immer bei dir. Halleluja. Du hast deine Hand auf mich gelegt. Halleluja. Wie wunderbar ist für mich dieses Wissen. Halleluja.“

Der Ursprung dieses Textes ist Psalm 139. Der Psalmist besingt die Geborgenheit, die dem Glaubenden geschenkt ist. Diese Geborgenheit hat ihren Grund darin, dass Gott mich kennt. Schon bevor ich geboren war, liebte er mich. Noch bevor ich eine Bitte ausspreche, kennt er sie bereits. Selbst am äußersten Ende der Erde, in der tiefsten Tiefe oder auf der höchsten Höhe ist er bei mir. „Wie wunderbar ist für mich dieses Wissen, o Herr.“ Was für eine Sicherheit schenkt uns dieser Glaube!

Nun könnte man einwenden: Ja, aber ist das nicht mehr Wunsch als Wirklichkeit? Wo ist denn Gott in den dunklen Stunden? Darum ist es wichtig, den Psalm vor dem Hintergrund der heiligen Tage des Leidens, Sterbens und der Auferstehung Christi zu hören. Der Sohn Gottes hat sich all dem ausgesetzt. Jesus ist in die Tiefen des Todes gestiegen. Vor den Augen der Welt hat er sein Leben ausgehaucht am Kreuz. Doch sein Vertrauen in den Vater wurde nicht enttäuscht. Jesus hat erfahren: „Du hast deine Hand auf mich gelegt.“ Ja, er wurde gehalten von den Händen des Vaters. Und der hat ihn ins Leben gerufen. „Gott aber hat ihn am dritten Tag auferweckt“, ruft Petrus seinen erstaunten Zuhörern zu. Wir haben es in der Ersten Lesung gehört.

Der Weg dorthin war nicht bequem oder problemlos. Jesus ist den Kreuzweg gegangen bis in die Nacht des Grabes. Doch „die Nacht wird leuchten wie Licht“, heißt es im Psalm. Das haben wir auch in der Osternacht im Exsultet gehört. Nicht das, was alle erwartet hätten, ist geschehen, dass nämlich das Leben einfach vorbei und verloschen ist. Nein, Christus hat das Licht des Lebens in die dunkelste Dunkelheit getragen und sie so für immer erhellt. Das ist nicht nur ein einmaliges Geschehen. Es ist eine Zusage an uns: „Ich bin erstanden und bin immer bei dir“.

Ja, dieses neue Leben ist noch „verborgen in Gott“, sagt der heilige Paulus. Aber es ist dennoch da. Untrüglich. Wir dürfen als Christen aus der Gewissheit leben, dass Christus auferstanden ist und immer bei uns ist. Wer ihm glaubt, der ist nie allein. Wer ihm vertraut, dem ist selbst im Dunkel ein Licht geschenkt. Unser Auftrag ist es, dieses Licht zu teilen. So wie wir es in der Osternacht getan haben, so wie es der Herr der Magdalena aufgetragen hat: „Geh und verkünde meinen Brüdern…“ Und Maria Magdalena kündet als Erste die Frohe Botschaft, dass der Herr lebt. Die Botschaft gilt auch uns heute, denn der Auferstandene spricht: „Ich bin erstanden und bin immer bei dir. Halleluja. Amen.

05.04.2026, Pfarrer Dr. Eugen Daigeler

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