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Predigt von Pfarrer Daigeler zum Karfreitag

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Liebe Schwestern und Brüder im Herrn, wir haben die Leidensgeschichte Jesu gehört – den Verrat, die Verlassenheit, die Häme und den Spott, die Schmerzen des Kreuztragens und schließlich das Sterben. Wie haben das wohl die Menschen am Weg oder auf dem Golgotha-Hügel empfunden? Die Menschen, die Jesus gehört und vielleicht sogar bewundert haben, seine Freunde und Anhänger?

Im Schock kann man nicht reden, oft nur reagieren oder funktionieren. Erst mit Abstand findet man Worte, das Erlebte oder Erlittene auszudrücken. So geht es wohl auch den Freunden Jesu. So viel Gewalt, so viel Enttäuschung. Was wäre das angemessene Wort?

Die christliche Frömmigkeitsgeschichte hat aus dem Evangelium ein starkes Bild aufgegriffen. Der Evangelist Johannes erzählt uns, die Mutter Maria habe unter dem Kreuz ihres Sohnes gestanden. Sogar einen Auftrag gibt Jesus der Mutter noch mit: „Siehe, dein Sohn“. Seine Freunde vertraut Jesus der Sorge seiner Mutter an. Keine Antwort ist uns überliefert. Was sollte das Wort sein angesichts des Todes?

Keine Ansprache oder Erklärung der Mutter ist uns überliefert, weil sie auch nicht gesprochen wurden. Aber von einer Tat ist die Rede. Sie „stand“. In lateinischen Worten ist das „Stabat mater“ in unzählige Kompositionen gelegt wurden. „Stabat mater“ – „die Mutter stand“, sie stand unter dem Kreuz, sie stand bei dem Leidenden und Sterbenden. Ja, selbst den Verstorbenen trug sie auf ihrem Schoß.

Oft fehlen uns die Worte, wenn etwas Schlimmes eintritt oder uns überfällt. Manchmal gibt es sie auch gar nicht. Und doch können wir Wesentliches und Wertvolles tun, indem wir dem anderen beistehen in seiner Not. „Geteiltes Leid ist halbes Leid“, das klingt abgegriffen. Aber ist es das? Ist nicht doch alles anders, wenn jemand zu mir steht, wenn ich nicht allein bin?

Es ist ein tiefer Trost, wenn einer mit mir ist – wie die Hand, die mich hält, wie der Heiland in der schlichten Brotsgestalt, der mit in Bombenkellern oder Krankenzimmern sitzt, der wehrlos ist und doch Nahrung. Er steht zu uns, damit wir zueinander zu stehen vermögen. Er bleibt bei uns, wie ihn die Emmausjünger bitten, damit unsere Trauer sich in Trost wandelt.

03.04.2026, Pfarrer Dr. Eugen Daigeler

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